D365 Produktion: Fertigungssteuerung in der erweiterten Lagerortverwaltung

Der DFO Produktions-Blog der CAT GmbH

Das Modul Fertigungssteuerung wurde entwickelt um Zeit- und Artikelverbrauch für Produktionsaufträge zu erfassen. Sobald ein Produktionsauftrag im Status „Freigegeben“ ist kann er in Terminals oder auf mobilen Geräten abgearbeitet werden. Das Rückmelden von Arbeits- oder Einzelvorgängen kann dabei von einem Produktionsmitarbeiter über Erfassungsterminals oder mobile Endgeräte (Einzelvorgangslistengeräte oder Job Card Devices) erfolgen. Es ist so möglich, dass Produktionsaufträge über die Erfassungen von Produktionsmitarbeitern gestartet werden  Im nächsten Schritt kann über Rückmeldungen zu Arbeits- oder Einzelvorgängen der Arbeitsplan abgearbeitet werden.. Zu guter Letzt kann der komplette Produktionsauftrag über eine Fertigmeldungserfassung fertiggemeldet werden. Es ist also möglich, den kompletten freigegebenen Produktionsauftrag mit Hilfe von Erfassungen über das Terminal oder das Job Card Device (Einzelvorgangslistengerät) abzuarbeiten. Lediglich das Beenden des Produktionsauftrags muss nach wie vor im Client erfolgen.

Da es nicht möglich ist mit Hilfe des Job Card Devices die entsprechenden Parameter zu beeinflussen, muss bei der Einrichtung der Produktionsauftragsstandards sehr sorgsam vorgegangen werden. Die Produktionsauftragsstandards bestimmen, wie Erfassungen gebucht werden, welche mit dem Job Card Device vom Produktionsmitarbeiter erfasst werden. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Einstellungen für den Stücklistenverbrauch gelegt werden: Es muss sichergestellt werden, dass diese in sich konsistent sind, um zu gewährleisten, dass Material zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge aus dem Bestand abgezogen wird. Durch falsche Einstellungen kann es dazu kommen, dass Material mehrfach oder überhaupt nicht aus dem Bestand verbraucht wird. Grundlegende Einstellungsmöglichkeiten sind auch bei Microsoft Docs (DE / EN) zu finden.

Der Stücklistenverbrauch kann statisch oder über den Parameter „Stücklistenbezugsprinzip“ am Artikelstamm eingestellt werden. Über das Stücklistenbezugsprinzip kann pro Artikel eingestellt werden, wann dieser verbraucht werden soll, sofern er Teil einer Stückliste ist.

 

Prinzip für automatischen Artikelverbrauch am Artikel, Fasttab Entwickeln

Der Verbrauch kann auf „Manuell“, „Starten“ oder „Fertig stellen“ festgelegt werden.

Mit der erweiterten Lagerortverwaltung in Microsoft Dynamics 365 for Finance and Operations erhielt auch ein neues Stücklistenbezugsprinzip Einzug: „Am Lagerplatz verfügbar“. Dies zeigt an, dass das Material automatisch verbraucht wird, wenn es als „Entnommen“ gekennzeichnet wird. Dies setzt voraus, dass bei der Freigabe eines Produktionsauftrags Entnahmearbeit für Rohmaterial erzeugt wird. Wenn diese Arbeit als abgeschlossen gemeldet wird, befindet sich das Material am Produktionseingangslagerplatz der Ressource und befindet sich im Status „Entnommen“. Dieser Status stand zuvor bei der Rohmaterialentnahme für Produktionsaufträge nicht zur Verfügung.

Der Fokus dieses Blogeintrags soll auf der Fertigmeldung via  Job Card Device liegen. Die Einstellungen, die für das Verhalten des Job Card Devices innerhalb des Systems verantwortlich sind, befinden sich in den Produktionsauftragsstandards. Die Produktionsauftragsstandards können entweder unternehmensweit gesteuert, oder pro Standort einzeln definiert werden.

 

Einstellungen in den Produktionsauftragsstandards "Allgemeins"

In diesem Bereich wird das generelle Verhalten der Fertigungssteuerung festgelegt.Unter der Parameterverwendung kann eine Auswahl getroffen werden, ob die Parameter unternehmensweit oder pro Standort gelten sollen. Sollte die Parameterverwendung „nach Zielstandort“ eingestellt werden, so muss pro Standort ein separates Parameterset definiert werden. Außerdem ist es in diesem Bereich möglich einzustellen, wie gebuchte Zeiten für Arbeits- oder Einzelvorgänge verteilt werden. Auch der grundlegende Umgang mit Akkordproduktionsaufträgen kann hier angepasst werden. Die Entscheidung ob auf Grundlage der am Arbeitsplan hinterlegten Kostenkategorien gebucht werden soll oder die tatsächlichen Kosten auf Basis der generierten Erfassungen in Verbindung mit den Lohnfunktionen im Modul „Zeit und Anwesenheit“ herangezogen werden sollen, wird hier ebenfalls getroffen.

Die Einstellungen zum Stücklistenverbrauch und den Einstellungen zum Rückmelden via Job Card Device befinden sich in den übrigen Reitern (Start, Vorgänge, etc.).

 

Einstellungen in den Produktionsauftragsstandards "Start"

Im Reiter „Start“ wird festgelegt, wie sich das System verhält, wenn der erste Arbeitsgang des Produktionsauftrag vom Produktionsmitarbeiter über das Job Card Device gestartet wird. Es können die ggf. zu buchenden Erfassungen hinterlegt werden, und ob diese gebucht oder gar beendet werden sollen.

Im Bereich „Kommissionierlistenerfassung“ wird die „Soll = Ist-Rückmeldung“ für das Material vorgegeben. Im gezeigten Beispiel würden nun also alle Materialien verbraucht, die das Stücklistenbezugsprinzip „Start“ hinterlegt haben, oder aber die Materialien, welche „Am Lagerplatz verfügbar“ sind. Dies sind jene Materialien, die über abgeschlossene Arbeit vom Typ Rohmaterialentnahme am Produktionswareneingangslagerplatz verfügbar gemacht wurden und dementsprechend den Status „Entnommen“ aufweisen. Der Produktionswareneingangslagerplatz wird an der Ressourcengruppe hinterlegt.

An dieser Stelle wird deutlich, dass das Stücklistenbezugsprinzip „Am Lagerplatz verfügbar“ in der erweiterten Lagerortverwaltung insoweit überlegen ist, da so Fehler im Bereich des Stücklistenverbrauchs minimiert werden können, da wirklich nur das verbraucht wird, was physisch an der Ressource zur Verfügung steht. Nur dieses Stücklistenbezugsprinzip arbeitet mit dem Status „Entnommen“ auf der Lagertransaktionstabelle.

Somit ist es außerdem möglich nachträgliche Materialentnahmen für denselben Produktionsauftrag durchzubuchen. Dies kann beispielsweise notwendig sein, wenn Material erst später geliefert wird als geplant. In diesem Falle erstellt das System eine neue Kommissionierlistenerfassung und bucht diese, sobald das Material am Produktionswareneingangslagerplatz verfügbar gemacht wurde. Aus diesem Grund sollte auch der Haken bei „Kommissionierliste als beendet markieren“ nicht gesetzt sein.

 

Einstellungen in den Produktionsauftragsstandards "Vorgänge"

Im Reiter „Vorgänge“ befinden sich die Parameter, die Einfluss auf Rückmeldungen zu Arbeitsgängen haben. An der Einzelvorgangsstufe wird eingestellt, ob Einzelvorgänge oder Arbeitsgänge zurückgemeldet werden. Da im vorliegenden Beispiel die Produktionsaufträge feinterminiert und Einzelvorgänge über das Job Card Device zurückgemeldet werden sollen, wird hier die Einzelvorgangsstufe „Einzelvorgang“ ausgewählt.

Außerdem kann definiert werden, welche Einzelvorgangstypen erfasst werden können. Üblicherweise erfolgt die Erfassung durch Arbeitskräfte bei Einzelvorgängen zu Einstellungen (von Produktionsressourcen) und Bearbeiten (von Produktionsaufträgen). Zusätzlich können aber auch noch Warte- oder Transportzeiten erfasst werden.

Außerdem gibt es Einstellungen zur Buchung der Kommissionierliste. Sollten Materialen bei einem bestimmten Arbeitsgang verbraucht werden, so wird dies über die Parametereinstellung Soll = Ist-Rückmeldung Material „Prinzip für automatischen Artikelverbrauch“ gesteuert. Dazu sind jedoch noch weitere Einstellungen innerhalb der Stückliste vorzunehmen, welche eine Verbindung zwischen Material und Arbeitsgang herstellen. Dieses Thema wird aber in einem separaten Blogeintrag behandelt.

 

Einstellungen in den Produktionsauftragsstandards "Fertigmeldung"

Über das Feld „Fertigmeldungsbericht online aktualisieren“ wird gesteuert, ob mit Buchen der Fertigmeldungserfassung auch der Status des Produktionsauftrag fertiggemeldet werden soll. Außerdem kann eingestellt werden, welche Mengen fertiggemeldet und dem Bestand zugebucht werden sollen. In der hier beschriebenen Beispielkonfiguration soll der Status und die Menge des Produktionsauftrags nicht aktualisiert werden. Der Produktionsauftrag soll mit Hilfe des mobilen Scanners und des Menüelements „Fertigmelden und Einlagern“ fertiggemeldet werden. Mit diesem Schritt kann gleichzeitig ein Ladungsträger generiert und ein Lagerplatz zur Einlagerung vorgegeben werden. Außerdem obliegt so die Fertigmeldung kompletter Produktionsaufträge einem anderen Mitarbeiter (etwa aus der Arbeitsvorbereitung) als dem ausführenden Produktionsmitarbeiter.

Es muss beachtet werden, dass die übrigen Schaltflächen in diesem Bereich ausgegraut werden, wenn der Schalter „Fertigmeldungsbericht online aktualisieren“ auf „Nein“ gestellt wird. Nichtsdestotrotz haben die gesetzten Schalter einen Einfluss auf das Verhalten des Systems beim Buchen der Fertigmeldungserfassung über das Job Card Device. Im vorliegenden Beispiel wird also die Kommissionierliste als beendet markiert, obwohl der Schalter in der Konfiguration ausgegraut ist. Um eine andere Konfiguration vorzunehmen, muss also zunächst eine andere Auswahl im Feld „Fertigmeldungsbericht online aktualisieren“ getroffen werden, um die übrigen Schalter anzupassen.

Die Einstellungen zur „automatischen Arbeitsplanrückmeldung“ und „Soll = Ist-Rückmeldung Material“ stehen auf „Nie“, da ansonsten doppelt gebucht werden könnte. Im vorliegenden Beispiel ist nicht mehr davon auszugehen, dass noch weitere Materialentnahmen erfolgen, da das Stücklistenbezugsprinzip auf „Am Lagerplatz verfügbar“ hinterlegt ist und entsprechend erst eine Fertigmeldung erfolgen kann, wenn das gesamte Material verbraucht wurde. Außerdem sollen nur die erfassten Zeiten beim Rückmelden der Einzelvorgänge gebucht werden, welche bereits im Bereich „Vorgänge“ eingerichtet wurden.

Es ist seit Kurzem jedoch auch möglich, dass bereits bei der Fertigmeldung über das Einzelvorgangslistengerät ein Ladungsträger generiert und auch das dazugehörige Etikett direkt gedruckt wird! Dies muss möglich sein, wenn das Menüelement „Fertigmelden und Einlagern“ nicht verwendet werden soll, oder wenn die Arbeit zur Einlagerung direkt beim Fertigmelden über das Einzellistenvorgangsgerät generiert werden soll. Damit dies möglich ist bedarf es jedoch noch weiterer Einstellungen im Einzelvorgangslistengerät.

 

Einzelvorgangsliste für Geräte konfigurieren
Einstellungen in den Produktionsauftragsstandards "Mengenprüfung"

In diesem Bereich werden Einstellungen zur Überprüfung der gebuchten Mengen getroffen. Die Prüfung beim Start greift, wenn der Produktionsauftrag vom Produktionsmitarbeiter indirekt gestartet wird. So kann sichergestellt werden, dass nicht mehr oder weniger gestartet werden kann als im Produktionsauftrag angegeben ist. Außerdem können akzeptable Abweichungen eingerichtet werden. Gleiches gilt für die Einstellungen unter „Rückmeldungsmengenprüfung“. Die ausgegrauten Schalter können (wie im Bereich „Fertigmeldung“) nur verändert werden, wenn temporär der „Fertigmeldungsbericht online aktualisiert“ wird.

Die Verbesserungen des Job Card Devices sind Teil einer Modernisierung der Fertigungstseuerungsfunktionen und bieten eine integrierte Umgebung mit Toucheingabe für die Mitarbeiter der Fertigung. Die Fertigungssteuerung ist sehr realitätsnah und fügt sich nahtlos in die erweiterte Lagerortverwaltung ein. Dementsprechend komplex gestaltet sich eine in sich geschlossene Konfiguration.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Kontakt

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Max Lojewski | Business Consultant

Microsoft Certified Dynamics 365 for Finance and Operations Manufacturing Functional Consultant

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